Ein Sterben das Frucht bringt - Eco di Maria nr.155

Niemand von uns kann sagen, der überraschende Tod P. Slavkos habe uns nicht getroffen, so sehr wir uns auch bemühen, die Idee zu akzeptieren, dass sein Hinscheiden einem bestimmten Plan Marias entspricht. Die Worte, welche die Muttergottes zu Marija Pavlovic sprach, haben uns getröstet und eingetaucht in das Geheimnis des Todes, vor dem jeder von uns sich etwas fremd und verwirrt fühlt. Das ist ein Rätsel, und es gelingt keiner menschlichen Philosophie, dieses zu lösen. Es ist dasselbe, dem sich auch die Jünger Jesu in den Worten des Petrus verweigerten, der ihn dreimal verleugnet hat. Nicht nur das Menschenherz wünscht zu leben, auch Jesus selbst &emdash; sagt uns der Apostel Johannes - war in seiner Seele verstört am Grab des Lazarus und weinte derart, dass die Juden überzeugt wurden von der Liebe, die Christus zu diesem Manne hatte. (Joh 11.35f.). Wenn der Tod unseres lieben Vaters Slavko uns einerseits der Liebe eines Menschen beraubt, von dem wir uns alle geliebt fühlten, so trägt er andererseits viele Früchte mit sich. Und wirklich ist er selbst das Weizenkorn, das stirbt, und das eine reiche Ernte einbringt (Joh 12.24). Ich sprach mit verschiedenen Freunden, die seinen Hinschied intensiv erlebt haben, und wir waren uns darin einig, eine neue Bekehrung erlebt zu haben. Eine Freundin sagte mir "Mir scheint es, als ob ein Schleier von meinen Augen gefallen wäre". Versuchen wir in der Reflexion noch etwas mehr Klarheit zu bekommen.
So verstanden wir, dass wir dem mysterium mortis begegnet waren. Wir erlebten den lichtvollen Tod eines Andern, der nicht nur gehorsam war bis zum Tod als ein Ende, sondern auch als integrierender Teil des Plans, den Gott mit ihm hatte. Sein Tod erinnert uns in gewissen Zügen an denjenigen Christi. Wie sein Herr hat auch Slavko eine via crucis beendet und starb wie Er gegen drei Uhr, in der Stunde Seiner Barmherzigkeit.
Daher wird dieser christliche Tod in unser inneres Leben einverleibt. Wir erlebten ihn als notwendig und nicht als zufällig. Niemand von uns, so können auch wir denken, wird eine Ausnahme machen, da ja auch wir integrierender Teil der Nachfolge Christi sind. Es ist noch hervorzuheben, dass dies nicht nur ein Durchgang ins neue Leben ist, den wir in einem gewissen Sinn schon in der Taufe und in den Sakramenten erlebt haben, sondern ein Teil des Liebesbeweises in einem doppelten Sinn.
Jeder von uns lebt ja schon jetzt diesen Tod. Ich würde sagen, auch körperlich. Es genügt, unsere Krankheiten anzusehen, die schon eine Art Sterben sind, wenn auch nicht vollständig. Der Herr lädt uns ein, den ganzen alten Menschen abzulegen und unsern Körper nicht zu schonen, den wir so sehr lieben, vielleicht weil er unser Haus ist, unsere Zelle, und wir ihn so unmittelbar leben. Wir sind nun gerufen, nicht nur passiv ins neue Leben einzutreten, sondern Gott alles zu übergeben, was wir empfangen haben, damit wir es in Fülle wiederbekommen.
Alles, was wir besitzen, müssen wir schon jetzt intensiv leben, auch im Geist, der von der Trennung vom Körper getroffen wird und in irgend einer Form leidet, bis er wieder mit ihm vereint sein wird in "verherrlichter" Gestalt Aber in unserm Innern den Tod Christi leben, bedeutet vor allem, "einfältig" werden und sich auf das Wesentliche hin auszurichten.
Unser Leben ist wirklich "ein Windhauch". Gott kann uns aus dem vollen aktiven Leben abberufen, wie er auch Vater Slavko zu einer Ganzhingabe seiner selbst gerufen hat. Wir wollen unserm Geist nicht gestatten, sich mit oberflächlichen Beschäftigungen zu belasten. Denken wir nur an die Liebe, denn sie ist das Einzige, das uns am Ende bleibt. Dieses Leben wurde uns gegeben um den Himmel zu erwerben. Das ewige Leben ist der Lohn, der uns erwartet. Wir müssen deshalb darauf bedacht sein, uns nicht von den Schwächen der Menschen, ihrem Urteil und ihrer Herrschaft fesseln zu lassen.
Der Tod ist das Zeichen dafür, dass jeder Einzelne von uns nur Christus gehört und das letzte Urteil allein ihm zusteht. Um dies vorweg zu nehmen und uns auf diese Prüfung vorzubereiten, kann uns die allabendliche Gewissenserforschung vor dem zu Bett gehen wie ein kleines Weltgericht helfen. Schliesslich finden wir den Tod, wo er in unsern Wohnungen am Kreuz hängt. Jener Körper ist der tote Leib Christi, unter dem Maria uns bat, die glorreichen Geheimnisse zu betrachten, denn das Evangelium &emdash; so sagt uns der Vater &emdash; hat den Sohn am Kreuz verherrlicht. Der Tod ist besiegt worden. Wir sind in diesem Geheimnis vereint, das auch das unsrige ist, denn am Ende wird auch unsre Herrlichkeit offenbar werden, die jetzt noch in Christus verbogen ist. Verehren wir das Kreuz, wie uns die Muttergottes bittet und beten wir mit der Kraft der Geduld, die, wie der Apostel sagt, die Hoffnung zeugt, die das ewige Leben erstrebt. Zum Abschluss wollen wir Maria bitten, für uns zu beten, jetzt und in der Stunde unseres Todes.
Jelena Vasilj