Die Kraft des Segnens von Jelena Vasilj - Eco di Maria nr.163

Das hebräische Wort beraka, Segen, stammt vom Verb barak ab, das verschiedene Bedeutungen hat, vor allem bedeutet es segnen und loben, selten auch niederknien, oder einfach nur jemanden grüssen. Im Allgemainen bedeutet der Begriff des Segnens im Alten Testament, an jemanden Güter der Macht, des Erfolgs, des Wohlgedeiens, der Fruchtbarkeit und des langen Lebens zu erteilen. Segnend wünscht man folglich die Kraft und Fülle des Lebens auf jemanden herab; es kann aber auch das Gegenteil geschehen, so wie Michal, die Tochter Sauls, welche, nachdem sie den Segen Davids verschmähte, als er seine Familie segnete, unfruchtbar wurde (2 Sam 6,2). Da es immer Gott ist, der über die Fülle des Lebens verfügt und sie schenkt, bedeutet im Alten Testament segnen vor allem die Gegenwart Gottes auf jemanden herabrufen; wie Mose es Aron angewiesen hatte; dieser Segen ist in der Kirche heute noch gebräuchlich: "So sollt ihr Israeliten segnen, sprecht zu ihnen: Der Herr segne dich und behüte dich. Der Herr lasse sein Angesicht über dich leuchten und sei dir gnädig. Der Herr wende sein Angesicht dir zu und schenke dir Heil. So sollen sie meinen Namen auf die Israeliten legen, und ich werde sie segnen" (Num 6, 23-27).
Gott ist die einzige Quelle des Segens (Gen 12); Er ist die Quelle der Lebensfülle, die zweier Kennzeichen entspringt, für jene Gott im Alten Testament gesegnet wurde; es sind die Barmherzigkeit und die Treue. Treue gegenüber der Verheissung, festgelegt im Bund, den Er mit dem erwählten Volk geschlossen hat (Deut 7, 12). Der Bund ist in der Tat das Schlüsselprinzip zum Verständnis des Segens (Ez 34, 25-26), weil der von Gott und Menschen geleistete Eid Folgen mit sich bringt: Segen von Gott für den Menschen, entsprechend dem Gehorsam - der Ungehorsam jedoch bringt Fluch über ihn. Diese beiden sind der Tod und das Leben: "Den Himmel und die Erde rufe ich heute als Zeugen gegen euch an. Leben und Tod lege ich dir vor, Segen und Fluch. Wähle also das Leben, damit du lebst, du und deine Nachkommen. Liebe den Herrn, deinen Gott, hör auf seine Stimme, und halte dich an ihm fest; denn er ist dein Leben. Er ist die Länge deinens Lebens, das du in dem Land verbringen darfst, von dem du weisst: der Herr hat deinen Vätern Abraham, Isaak und Jakob geschworen, es ihnen zu geben" (Deut 30, 19-20). Und in diesem Licht zeigt sich auch die neue Verheissung, das Neue Testament selbst, der die Kundgebung der alten Verheissung ist, schliesst den Neuen Bund, und sein Kreuz ist der neue Baum des Lebens, in dem der Fluch des Todes vernichtet ist und uns der Segen des Lebens zuteil wird. Es ist wirklich sein Leib, d.h. die Eucharistie, die uns auf ewig leben lässt.
Unsere Antwort auf einen derartigen Segen ist Gott zu segnen und zu preisen. Genau genommen, mehr noch als Vorzüge zu empfangen und selbst gesegnent zu sein, ist segnen auch eine Art der Danksagung an die Person, von der uns Gaben zuteil wurden. Daher ist das Segnen unsere Gundhaltung hin zu Gott, der Kern unseres Gottesdienstes. Und gerade mit solchen Worten beginnt die eucharistische Liturgie: Gesegnet bist du Herr unserer Gott. Es folgt eine Aufzählung der Segungen Gottes, die ihren Höhepunkt in der Einsetzung der Hl. Eucharistie findet, als Zeichen des neuen Bundes. Die Wandlung der Hl. Eucharistie ist dem Priester vorbehalten, dem eine besondere Vollmacht zur Wandlung verliehen ist, gleichwie als Höhepunkt des Segnens. Auf jeden Fall nimmt jeder, der sich selbst und seine Gaben Gott als Opfer darbringt, teil, als persönliches Geschenk und als Verzicht auf eigenützigen Gebrauch. Vor diesem unsagbaren Geheimnis wenden wir uns an Maria, die gesegnet ist mit allem Segen, die Gesegnete unter den Frauen (Lk 1,42), jene die als erste den Geschöpfen in die Seligkeit lebte, auf das wir ihren Wunsch für uns erfassen können, zusammen mit ihr im Himmel, in der ewigen Seligkeit der Heiligsten Dreifaltigkeit zu sein. (Fortsetzung folgt)