"Das wirkliche Wesen der Liebe" von Jelena Vasilj - Eco di Maria nr.156

Die Liebe ist wie das Licht, das uns jedesmal, wenn wir es in die Hand nehmen wollen, entflieht. Sie ist ein Wort, das häufig an unsern Lippen hängt, und doch macht es uns stumm. Sie scheint so vertraut, auch wenn wir tagtäglich entmutigt ihr Gesicht nicht erkennen.
Wir können beobachten, dass die Zeit, in der wir leben, uns oft eine Art von Liebe zeigt, die zwingend reich an emotioneller Energie und auf zahlreiche starke Erfahrungen konzentriert sein muss,, aber einmal zu Ende uns zu Boden wirft und in uns noch eine tiefere Leere als zuvor zurücklässt. Trotzdem könnte jemand sagen "es ist immer noch besser zu lieben als nicht zu lieben". Solche Erfahrungen, solch besitzergreifende Leidenschaften kennen gewöhnlich den vorzeitlichen Plan Gottes nicht, als der Vater den Sohn in seinem ewigen Liebesplan zeugte, den der Heilige Geist ist. Der Vater hauchte die Liebe zum Sohn und der Sohn zum Vater, und so schufen sie die Welt in ihrem ewigen Liebestanz.
Wenn wir von Liebe sprechen, oder lieben, schöpfen wir aus dem Quell, der das ureigene Abbild der Heiligsten Dreifaltigkeit ist, eingraviert in des Menschen Herz seit seiner Erschaffung. Jegliche andere Liebe, die nicht auf diesem Bild basiert, wird sehr leicht zur Vergötzung anderer oder seiner selbst. Das erste Merkmal der Liebe ist die Fähigkeit, nicht nur sich selber hindurch zu transzendieren sondern auch durch omnia facta (alles Geschaffene) hindurch, und das ist eine reine Gabe des Glaubens. Das kranke Herz des Menschen ist in ständigem Aufstieg, oft belastet von Eigenliebe, daher in Seufzen und Kampf, um nicht erneut auf sich selbst zurückgeworfen zu werden. Nur die Reinen sehen Gott. Heute scheint die Reinheit gänzlich konträr zur Liebe; man spricht von ihr als einer Folge von "berüchtigten" Verboten, Klötzen, von denen es sich zu befreien gilt. Aber oft wird auch unter Christen die Reinheit interpretiert als Option, als wäre der Leib nicht ein Heiligtum, in dem wir leben, oder besser gesagt ein Haus, das in Ordnung gehalten sein muss.
Den Erstern würde ich sagen, dass der wahre Klotz, den wir herumschleppen, die geschichtliche Schuld ist, die unsere ersten Vorfahren uns übergeben haben, bis Jesus von Nazareth sie auf seine Schultern nahm. Er verzehrte sie im Feuer seiner Liebe, entfacht mit dem Kreuzesholz verbrannte er im Feuer seiner Liebe, die Schuld jener, unter deren Folgen wir leiden. Es liegt an uns, hier in der Zeit unser Fiat zu sprechen, um in der Ewigkeit den Lohn zu geniessen.
Den Zweiten würde ich sagen, dass nur die Tugenden unser Herz reinwaschen, und dass wir Christen nicht einen Dualismus des Glaubens leben können, als ob der Leib zur einen Wirklichkeit gehörte und der Geist zu einer andern. Es ist also klar, dass die Liebe auf eine ewige Wahrheit gegründet ist und lügenhaft und verworren bleibt, wenn sie auf ein dunkles Labyrinth menschlicher Emotionen verkürzt wird. Die Empfindungen sind in der christlichen Auffassung der Liebe nicht unterbewertet. Es ist Tatsache, dass die grösste Liebesbezeugung, die der Mensch kennt, das Leiden Christi ist. Wir brauchen nur die Intensität unserer Hingabe zu hinterfragen; ob wir fähig sind, unsere Erstlingsfrüchte Gott zu opfern, ob wir sagen, können, dass wir im Glauben echte Kinder Abrahams sind.
Der Wunsch nach Liebe wohnt in jedem Menschen, sei er Christ oder Nichtchrist. . So sagte der hl. Augustinus: "Ich wünschte nur zu lieben und geliebt zu werden". Natürlich ist es ein Wunsch, der sich nicht an irgendwelche Indivuen richtet, sondern an eine Person, die nach unserem Herzen zu lieben weiss. Die Sehnsucht, die wir im Herzen spüren, auch nachdem wir all das erreicht haben, was unserem "Wünschen" zu genügen schien, zeigt, dass das Gewinsel des modernen Menschen nicht das Nicht-Lieben-Wollen, sondern das Nicht-Wissen, wer zu lieben ist, und wo sein Herz "ausruhen" kann. Unter solchen Bedingungen ist der Mensch "ohne Heimat" und verurteilt von einer Erfahrung zur anderen herumzuschweifen.
Möchten doch wir Christen Zeichen der Hoffnung sein für die Welt, die ihre Mitte nicht kennt. Die Muttergottes sagt in Medjugorje, dass die Ungläubigen jene sind, die die Liebe Gottes nicht kennen, die in Wirklichkeit der wahre Gegenstand all ihrer Wünsche ist. An uns liegt es, wie Maria zu sein, rein und durchsichtig für die Liebe Gottes: sie ist der Mond, der all sein Licht von der Sonne, die Jesus ist, bezieht.