Apokalyptische Katastrophen oder Triumph Mariens? - Eco di Maria nr.136

Wir bemühen uns alle, das große Jubiläum des Jahres 2000 vorzubereiten, wie es das Programm des Papstes vorsieht. Das sollte unsere größte Aufgabe sein. Viele scheinen jedoch in Alarmbereitschaft zu sein und Unglücksgeheul zu hören. Es fehlen nämlich keineswegs sogennante Seher und Charismatiker, die Botschaften vom Himmel bekommen, mit der Ankündigung von ungeheuren Katastrophen oder sogar von einer Zwischenankunft Christi. Davon spricht die Bibel jedoch nicht und die Belehrungen des II. Vatikanischen Konzils halten das auch indirekt für unmöglich (man lese ,,Dei Verbum" Nr.4).
Man scheint zu den Zeiten des hl. Paulus zurückgekehrt zu sein, als die Thessaloniker, so überzeugt von der baldigen Verwirklichung der Niederkunft Christi, sich so erregten, daß sie nicht mehr Gutes zustande brachten; der Apostel griff überzeugt ein: ,,Wann es sein wird, weiß Gott allein, ihr arbeitet inzwischen ruhig und, wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen".
Oder man meint wieder in den Fünfziger-Jahren zu leben, als die erregten Menschen sich an P. Pio wandten mit der Frage: ,,Schw. Lucia von Fatima hat gesagt, man solle das 3. Geheimnis 1960 öffnen! Was geschiet dann?" P. Pio wurde ernst und antwortete: ,,Wißt ihr, was nach 1960 kommen wird? Wollt ihr es wirklich wissen? Die Menschen drängten sich aufmerksam an ihn heran. Und P. Pio, sehr ernst: ,,Nach 1960 wird 1961 kommen".
Das bedeutet nicht, daß nichts passieren kann. Wer Augen hat, sieht was schon geschehen ist und was zur Zeit geschieht. Aber nichts von dem geschieht, was die Unglückspropheten vorhersagen. Sie hatten Pech, als die bakanntesten und beliebtesten unter ihnen ein falsches Datum gewagt hatten: 1982, 1985, innerhalb 1990.
Es ist nichts von alldem eingetreten, was sie vorhergesagt haben, aber die Leute haben trotzdem Vertrauen zu ihnen: ,,Wann? Sicher innerhalb des Jahres 2000. Innerhalb 2000 ist ihr neues Siegespferd. Ich erinnere mich an die Worte, die mir eine Vertrauensperson von Papst Johannes XXIII gesagt hatte. Als er himmlische Botschaften empfing, von denen viele direkt an ihn gerichtet waren, sagte er: ,,Seltsam, der Herr spricht zu allen, aber zu mir, der ich doch sein Stellvertreter auf Erden bin, zu mir sagt er nichts!"
Was ich unseren Lesern ans Herz legen möchte, ist folgendes: ,,Gebraucht euren Hausverstand!" Es tut mir leid, daß 5 von den 6 Jugendlichen von Medjugorje geheiratet und Kinder haben: sie scheinen wirklich nicht die Apokalypse zu erwarten.
Wenn wir dann 3 vertrauenserweckende, bekannte Vorhersagungen betrachten, so kann ich folgende erwähnen:
Don Bosco sah in seinem berühmten ,,Traum der 2 Säulen" einen größeren Triumph Marias als den von Lepanto.
Der hl. Maximilian Kolbe sagte: ,,Ihr werdet die Statue Mariens auf der Spitze des Kremls sehen". In Fatima hat die Gottesmutter versichert: ,,Am Ende wird mein Unbeflecktes Herz siegen!" In diesen 3 Prophezeiungen finde ich nichts Apokalyptisches, sondern nur Gründe zur Hoffnung auf die Hilfe des Himmels, die uns aus dem Chaos rettet, in dem wir schon bis zum Halse stecken: in unserem Glaubensleben, im bürgerlichen und politischen Leben, in den Horrornachrichten, die in allen Zeitungen stehen, im Verlust aller Werte.
Vergessen wir nicht, daß Unglücksprophezeiungen sicher falsch sind. Ich ersuche deshalb unsere Leser nach oben zu schauen, im Vertrauen in die Zukunft zu sehen, daß die Himmlische Mutter uns beisteht. Wir wollen ihr schon jetzt danken und uns mit vollem Einsatz auf die Feier des Jubiläums vorbereiten, indem wie voll Zuversicht den Anweisungen des Papstes folgen, der immer von einem neuen Pfingstfest der Kirche spricht.
don Gabriele Amorth